Markgraf Coaching Vielbegabung 2

Scannerpersönlichkeit - Was ist Vielbegabung?

Was ist Vielbegabung? Oder besser wer ist vielbegabt?

Jemand der viele Begabungen hat.

Aber wie unterscheidet sich eine Scannerpersönlichkeit von jemandem, der einfach nur viele Hobbies hat? Bevor ich darauf eine eindeutige Antwort geben kann möchte ich dich, lieber Leser kurz entführen in meine Vergangenheit als hochsensibler Mensch. Denn viele Menschen, die zum ersten Mal erfahren, was Vielbegabung ist, den fällt es oft wie Schuppen von den Augen. Sie haben etwas was man als „Kronleuchter-Erlebnis“ bezeichnen könnte. Oft ist es nach diesen Momenten gar nicht mehr nötig, zu erklären, was genau ein Scanner ist, denn es erschließt sich dann ganz intuitiv.

Mein erstes Kronleuchter-Erlebnis hatte ich vor ca. 5 Jahren, als ich zum ersten Mal über das Thema Hochsensibilität erfuhr und feststellte, dass ich ein HSP, eine sogenannte „highly sensitive personality“, oder hochsensible Person bin. Auf einmal war mir schlagartig klar, warum ich so eine ausgesprochen andere Kindheit hatte, als „normal-sensible“ Kinder. Zumindest war mein Eindruck, meine Empfindung, als Kind irgendwie anders zu sein, und ich hatte immer das Gefühl zu einer falschen Zeit oder an einem falschen Orte geboren zu sein. Heute weiß ich natürlich, dass ich immer und zu jeder Zeit zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin und dass wir in diese ‚besonderen‘ oft schmerzhaften Situationen geraten sind, um uns auf unser weiteres Leben und unsere Aufgabe im Leben vorzubereiten. Ich war schüchtern, introvertiert, konnte mich an die laute, hektische Welt nur schwer gewöhnen, hatte Angst vor lauten Geräuschen und ging auf Distanz zu vielen Menschen, deren Verhalten oder auch nur deren Präsenz ich als ablehnend oder ausgrenzend empfand. Natürlich wurde ich auch oft wegen meiner ‚Andersartigkeit‘ geärgert oder gehänselt und hatte deswegen auch eher wenige Freunde. Ich lebte lieber in meiner eigenen Welt, wo ich meine Fantasie ausleben konnte. Später war es für mich so unverständlich und unerträglich, wie man nur mutwillig die Umwelt und unseren wunderschönen Planeten verschmutzen und verschandeln konnte und ich hatte ein großes Bedürfnis nach sozialer Gerechtigkeit.

Als ich mehr über Hochsensibilität und Hochsensitivität erfuhr konnte ich vieles von dem besser einordnen und es ergab auf einmal einen Sinn.

Als ich dann erfuhr, dass ich zusätzlich zu meiner Hochsensibilität auch noch ein Scanner bin, hatte ich mein zweites wichtiges Aha-Erlebnis, denn auf einmal war mir klar, warum ich so viele Ideen, Interessen und Hobbies habe oder hatte und die meisten davon nicht zu Ende gebracht bzw. wieder abgebrochen habe. Ich finde mich schnell in neue Arbeitsprozesse und auch Denkweisen hinein, fühle mich aber nirgends wirklich zu Hause, und bin meistens schon wieder auf der Suche nach der neuen Herausforderung, nach dem neuen großen Abenteuer.

Es gibt viele Bezeichnungen für vielbegabte Menschen:

Scanner

Scannerpersönlichkeit

Vielbegabte

Multitalente

Multipotentialites

Bunte Zebras

Mehrfachbegabte

Renaissancemenschen

Allseitsinteressierte

Alleskönner

Universalgenie

Wunderwuzzi

Und meine Lieblingsbezeichnung, der Tausendsassa.

Tausendsassa hieß auch meine erste Seite zu diesem Thema auf Facebook und ich hatte ursprünglich vor meine Internetseite so zu nennen. Doch der Begriff ist, wie der Traumtänzer eher negative besetzt und so habe ich für meine Internetpräsenz meine Stärke als Coach und Mentor in den Vordergrund gestellt.

Die Herkunft des Begriffs Scannerpersönlichkeit

Der Begriff Scannerpersönlichkeit geht auf Barbara Sher (* 1943) zurück. Sie ist Unternehmerin, Karriereberaterin, Autorin vieler Bücher zum Thema Hochsensibilität und Vielbegabung und gilt als Mitbegründerin des Life-Coaching, weshalb sie auch als „godmother of life coaching“ bezeichnet wird. In ihrem Buch „Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast“ (2018 [2006] widmet sie sich ausschließlich dem Thema Vielbegabung. Sher fiel unter all ihren Klienten eine Gemeinsamkeit auf. Sie stellte fest, dass es Menschen gibt, die unverkennbar intelligenter sind als andere, sowie andere überdurchschnittlich musikalisch sind. Dementsprechend gibt es eben auch Menschen, die Begabungen und Interessen in verschiedenen und sogar mehreren und immer wechselnden Bereichen haben. Diese Vielseitigkeit erkannte Sher als Muster und als Ursache für einige Grundfragestellungen oder Grundprobleme im Lebend dieser Klienten.

So bezeichnete sie diese Menschengruppe als Scanner, in Abgrenzung zum sogenannten Taucher, eines Menschentyps, der eher tief in eine Materie, in eine Begabung oder ein Interessensgebiet hinein taucht und zum Experten in diesem einen Fach wird. Der Scanner dagegen „entdeckt [auch] ein Thema und ist erfüllt davon. Er gibt sich ganz hinein, durchdringt es – und schließt dann mit diesem Thema ab. Umgangssprachlich ausgedrückt: Er ist einfach durch damit. Nach seinem Empfinden hat er alles ausreichend und in Gänze für sich erfasst und somit den Punkt erreicht, an dem es auch seiner Perspektive nichts Neues mehr zu entdecken gibt“ (Bauer 2017: 17).

Über die Eigenschaften von Scannerpersönlichkeiten

Anders als beim Taucher ist für den Scanner ein Thema oder die Bearbeitung und die Begeisterung für ein Thema endlich. Er findet den für ihn passenden und entscheidenden Zeitpunkt und Wissensstand, wo er aussteigt und sich neuen Interessen widmet. Wann genau dieser Punkt erreicht ist, kann jeder nur für sich selbst herausfinden. Sher spricht hier von der Belohnung, die ein Scanner für sich definiert und Dorothee Scheld, die den Begriff „Vielbegabung“ im deutschsprachigen Raum geprägt hat (siehe unten), spricht vom roten Faden, den jeder Vielbegabte für sich entdeckt. Mein roter Faden ist „hinter den Vorhang“ zu schauen und „Dinge ausprobiert zu haben.“ Wenn ich das getan habe, verliere ich oft (nicht immer) das Interesse und ziehe weiter.

Umgekehrt haben Scanner oft die Schwierigkeit sich nicht entscheiden zu können. Da sie sich ständig für neue Dinge interessieren, fällt es ihnen schwer sich für das eine oder das andere zu entscheiden, oder Prioritäten zu setzen. Am liebsten wollen sie alles auf einmal machen, denn sie haben den Eindruck, wenn sie sich für eine Sache entscheiden, erteilten sie einer anderen Sache eine Absage. Dem ist jedoch nicht so, wie uns Barbara Sher in ihrem Buch „Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast“ mitteilt. An Tag 3, also im dritten Video, werde ich intensiv auf diesen und andere Glaubenssätze eingehen.

Ein weiteres Merkmal von Vielbegabten bezeichnet Annette Bauer in ihrem Buch „Vielbegabt, Tausendsassa, Multitalent? – Achtsame Selbstfürsorge für Scannerpersönlichkeiten“ als Ideenmaschine. Langeweile können vielbegabte Menschen nur schwer ertragen, sie produzieren ständig neue Ideen, entwickeln Projekte und besorgen sich die Literatur und die Materialien zu diesem Thema, um sich eingehend damit zu beschäftigen. Doch manchmal verlieren Scannerpersönlichkeiten schnell wieder die Begeisterung für ihre Projekte und sind schon wieder in neue Ideen verstrickt, wodurch sich die bekannten Projekt-Häufchen bilden und Scanner schnell an den Punkt kommen, wo sie den Überblick verlieren, ganz nach dem Spruch „Ich sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr“.

Wie du herausfinden kannst ob du eine Scannerpersönlichkeit bist

Eine gute Übung, um herauszufinden, ob du ein Scanner bist und wie viele verschiedene Projekte du gerade noch „offen“ hast ist folgende:

Gehe durch dein Haus oder deine Wohnung auf Entdeckungsreise und finde die vielen angefangenen Ideen, die du noch nicht abgeschlossen hast. Mache dir vorher eine Raumskizze, auf der du in jedem Raum eintragen kannst, welche Materialien und Vorlagen du findest. Bei mir liegen z.B. immer die Jonglierbälle auf der Kommode, wo ich sie schnell zur Hand habe. Im Sekretär befindet sich mein Origamipapier und in der Ecke steht die Gitarre, die ich lange Zeit nicht angerührt habe. Wenn ich die Schublade von meinem Schreibtisch öffne, finde ich leeres Notenpapier zum Komponieren, was sich seit knapp 10 Jahren nicht mehr gemacht habe und Materialien zur Creme-/Salbenherstellung.

Durch die vielen nicht abgeschlossenen Projekte geraten Scanner leicht in Selbstzweifel und unterliegen oft dem damit verbundene Glaubenssatz „Ich kann nichts richtig.“ Auch diesem Glaubenssatz werden wir im nächsten Beitrag auf den Grund gehen.

Leider bekommen sie oftmals im Außen von anderen die Bestätigung, dass sie Menschen sind, die „nichts zu Ende bringen und immer wieder was Neues anfangen“.

Annette Bauer findet eine positive Formulierung: „Scannerpersönlichkeiten [sind] Menschen mit einem hohen kreativen Potenzial und einer Ressource, die sehr nützlich sein kann: eine Art innerer Flexibilität, die sich in Neugier, Wissensdurst und Aufgeschlossenheit bemerkbar macht. Sie können sich sehr gut auf neue Dinge und Aufgaben einstellen“ (Bauer 2017: 19).

Barbara Sher glaubt, dass es kaum jemand gibt, der sich einer Sache so hingeben kann, wie ein Scanner, und dass es wenige Menschen gibt, die Langeweile so schwer ertragen kann, wie Scannerpersönlichkeiten. Als größten Unterschied zwischen vielbegabten und normal begabten nennt Sher, dass Vielbegabte schneller lernen als die meisten anderen Menschen. Bauer ergänzt, dass Vielbegabte auch eine ausgesprochene Lust am Lernen, Ausprobieren und Umsetzen haben (2017: 20).

Und, bist Du ein Scanner?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.